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Hollywood, Casting-Shows und Reality-TV-Serien sind nach wie vor ein lukratives Milliardengeschäft, das Mobilfunker und andere Größen der IT-Industrie, die in ihren Stammgebieten kaum noch Wachstum sehen, magisch anzieht. Die Inhalteanbieter andererseits sind scharf auf Umsätze über neue, auch das jugendliche Zielpublikum ansprechende Plattformen. Beide Seiten suchen so nach Lösungen, Inhalte geschützt über mobile Geräte oder Set-Top-Boxen zu vertreiben und das an die Wand gemalte „Tauschbörsen-Desaster“ der Musikindustrie zu vermeiden. Im Palais des Festivals an der Croisette kam es ununterbrochen zu Annäherungsversuchen nach dem Motto: Wir sitzen alle im selben Boot und müssen jetzt die Verkaufsmaschinen in Gang bringen. „Piraterie ist für uns genauso ein Problem wie für die Copyright-Industrien allgemein“, erklärte Erik Huggers, Chef von Microsofts Windows Digital Media Television in Europa. Kopien von Windows, Office, Games oder der hochauflösenden High-Definition-Videos im WMV-Format (Windows Media Video) der Redmonder seien über Peer-2-Peer-Netze jederzeit zu bekommen. Trotz dieses Versagens von Kopierschutztechniken pries Huggers Microsofts Digital Rights Management (DRM) als robuste Technik an: „Unser großes Thema ist es“, betonte der Manager, „Ihnen als Rechteinhabern die Möglichkeit zu verschaffen, mehr Kunden zu erreichen.“ Der Softwaregigant will denn auch gleich mit IPTV (Internet Protocol TV) Sendern und Produzenten einen kompletten TV-Dienst verkaufen. Die Plattform ist als Backend-Pendant zum Windows Media Center auf den Wohnzimmer-PCs gedacht. Microsoft stellt IPTV als interaktive, auf die Interessen von Programm- und Breitbandanbietern zugeschnittene Softwareumgebung dar, mit der sich Inhalte maßgeschneidert vertreiben lassen. Mit IPTV lässt sich wie auf einem PC in Sekundenschnelle zwischen Kanälen umschalten oder das Programm anhalten; ein Electronic Program Guide ist ebenfalls an Bord. Darüber könnten die Anbieter eigene TV-Streams mit Inhalten für Video on Demand (VoD) oder vorgefertigten, auf der Hardware der Nutzer gespeicherten Musik- oder Filmbibliotheken zusammenführen und mit Möglichkeiten zum digitalen Videorecording verknüpfen. Doch andere Technikprovider wie Alcatel oder Tandberg TV aus Norwegen haben längst selbst nicht proprietäre Backend-Applikationen ins Rennen gebracht, mit denen sie Breitbandnetzbetreibern und Sendern Wege zu VoD, Spieleangeboten und anderen interaktiven Zusatzgebieten öffnen. Microsoft dürfte es daher weiter schwer haben, im Fernsehmarkt Fuß zu fassen. Ähnlich sieht es im Mobilfunk aus, wo sich Java bereits auf über 250 Millionen Handys breit gemacht und zumindest im Spielebereich als Standard etabliert hat. Ein neues Format kündigte der US-Sender Fox an. Lucy Hood, Leiterin Content und Marketing bei der Mutterfirma News Corp, präsentierte zwei Pilot-Episoden für die erste TV-Soap auf dem Handy. Die Spots spielen in einem fiktiven „Hotel Hollywood“, drehen sich um Sex & Stars und dauern jeweils 60 Sekunden. News Corp sucht noch nach einem internationalen Distributionspartner. Fündig geworden ist der zum Murdoch-Imperium gehörende Konzern bereits bei der Vermarktung der Kultserie „Simpsons“: Nutzer des Multimediaportals Vodafone live können Grußkarten mit der verrückten US-Familie versenden oder Logos auf ihr Handy laden. Warner Bros und Sony Pictures kündigten auf der Milia ebenfalls verstärkte Aktivitäten im Mobilfunk an und freuten sich über erste Erfolge. Sony-Manager Patrick Kennedy schwärmte angesichts des bereits 2,5 Millionen Mal verkauften Handyspiels zum „Glücksrad“ von den Zehnjährigen und all dem Geld, das sie Hollywood in die Kassen spülen. Die ausgerufenen Partnerschaften stehen aber noch wacklig auf den Beinen: Ungewissheiten bestehen bei den Geschäftsmodellen. Letztlich wollen Netzbetreiber ebenso wie Inhalte-anbieter den Kunden kontrollieren und für sich selbst das größte Stück vom Kuchen reservieren. Zudem schränken technische Hürden das Unterhaltungsvergnügen ein. So können Contentprovider die Integration eigener Produktionen in die unterschiedlichsten, alle eine gesonderte Feinabstimmung erfordernden Handsets momentan kaum in einem erträglichen Zeitrahmen bewältigen. Das gilt für Videos genauso wie für Spiele. Auch sprechen Rechteinhaber und die Geräteindustrie nach wie vor eine unterschiedliche Sprache, wenn es um DRM und die Kontrolle der Inhalte geht. Softbank Broadmedia, Hauptinvestor bei Yahoo, setzt beispielsweise nur noch auf das Streaming von Content, um ein Aufzeichnen auf der Festplatte auszuschließen. Kennedy meint dagegen, dass die mobilen Media-Player, die Sony in diesem Jahr herausbringen will, ohne portierbare Inhalte kein Kassenschlager werden. 9000e.com - Webdesign Agentur für Neue Medien Simon-Dach-Strasse 12 - 10245 Berlin Tel.: +49 [0]30 547 19 231 - Fax: +49 [0]30 547 19 232 E-Mail: info@9000e.com |